Rückblick


 

Aktuell - Goethe und die Schweiz - Goethe-Links

Veranstaltungen 2002

Veranstaltungen 2001

Veranstaltungen 2000

Veranstaltungen 1999

Hinweis auf Literatur von GGS-Mitgliedern

 

Unser Jahresthema 2002: 

Goethes Weltbild: Tradition und Moderne

 

 

Zeichnung Goethes nach einer spätantiken Abraxas-Gemme. In der gnostischen Lehre gilt Abraxas als Herrscher der höchsten Himmelssphäre. Die sieben Buchstaben seines Namens ergeben den Zahlenwert 365 – Symbol der Totalität. Goethe erwähnt Abraxas erstmals in den Ephemeriden von 1770/71.

 

Veranstaltungen 2002

Zum Jahresthema Goethes Weltbild: Tradition und Moderne wurden zwei Veranstaltungen durchgeführt. 

 

1.          Donnerstag, 23. Mai:

Unter dem Titel Goethes Naturmodell – von der Stufenleiter der Wesen zur Metamorphosenlehre hat Dr. Margrit Wyder Goethes naturwissenschaftliches Weltbild in seiner Entwicklung vorgestellt. Der Vortrag fand im Gebäude des Medizinhistorischen Museum der Universität Zürich (Rämistr. 69) statt und war gekoppelt mit der Möglichkeit zur Besichtigung des Museums und der  Sonderausstellung "Ueber dem Grabe geboren" - Kindsnöte in Kunst und Medizin. 

Mehr zum Vortrag 

Informationen zum Museum unter www.medizin-museum.unizh.ch.

 

2.         Freitag/ Samstag, 8./ 9. November:

Die Jahrestagung 2002 der GGS wurde als zweitägige Vortragsfolge durchgeführt:

Goethe: Von der Pansophie zur Weltweisheit  

Programm

Im Rahmen des Jahresthemas „Goethes Weltbild: Tradition und Moderne“ hat eine Serie von Einzelbeiträgen renommierter Fachleute einige Grundüberzeugungen, Lieblingsvorstellungen oder literarische Motive Goethes in diesem Spannungsfeld von Alt und Neu beleuchtet. Positioniert waren sie zwischen den vor allem in der Jugend (Frankfurter Krankheitskrise) aufgenommenen, doch bis ins Alter neubedachten vor- oder frühmodernen Traditionen einer ganzheitlichen Weltdeutung (neuplatonische, mystische, paracelsische, spiritualistische Anregungen und Lektüren) und andererseits den mit wachem Interesse verfolgten philosophisch-naturwissenschaftlichen Positionen seiner eigenen Zeit. Stichwörter wie Analogisches Denken, Mikrokosmos-Makrokosmus-Bezug, Polarität und Steigerung, aber auch Inspiration, magische, alchimistische, sympathetische Traditionen lassen erkennen, dass es dabei nicht nur um Denkinhalte, sondern auch um Methoden der Erkenntnis geht. 

Die Planung der Tagung in Genf hat  federführend Prof. Hans-Jürgen Schrader übernommen, dem die Professoren Johannes Anderegg (St. Gallen) und Michael Böhler (Zürich) zur Seite standen.  

Die Vorträge der Tagung werden in einer Publikation erscheinen, die auf Frühjahr 2004 geplant ist.

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Jahresthema 2001: 

Produktives Begegnen - Goethes Schweizer Reflexe

 

Das Jahresthema „Produktives Begegnen – Goethes Schweizer Reflexe“ wurde mit drei Veranstaltungen gewürdigt:

Beachten Sie dazu auch die Seite Goethe und die Schweiz im Inhaltsverzeichnis, in der Beiträge zum Thema zu finden sind.

 

Veranstaltungen 2001

1. Samstag, 17. März:

Zum 200. Todestag von Johann Caspar Lavater fand im Kunsthaus Zürich eine Ausstellung zur Physiognomik statt ( 9. Februar bis 22. April). Die GGS unterstützte eine Veranstaltung im Rahmenprogramm: Die grosse Schauspielerin Maria Becker las im Ausstellungssaal des Kunsthauses aus Lavaters Tagebüchern. Anschliessend bestand Gelegenheit zur Besichtigung der Ausstellung.

2.   Samstag, 16. Juni:

Dr. Margrit Wyder organisierte einen Ausflug ins Urnerland auf Goethes Spuren. Dazu gehörte eine geführte Besichtigung der NEAT-Baustelle Amsteg, ein Mittagessen im von Goethe mehrmals besuchten Hotel „Stern und Post“ und eine 11/2-stündige Wanderung auf dem alten Gotthardweg von Amsteg nach Meitschligen. Den Abschluss machte eine Schifffahrt auf dem Urnersee.

3.   Freitag/ Samstag, 9./ 10. November:

Die Jahrestagung 2001 der GGS brachte ein zweitägiges Programm zum Thema Goethes (schweizerische) Landschaften Produktives Begegnen. Bekannte Referentinnen und Referenten trugen dazu bei. Die von Vorstandsmitglied Prof. Johannes Anderegg organisierte Veranstaltung fand in St. Gallen statt.

Im Rahmen der Jahrestagung wurde auch die ordentliche Mitgliederversammlung abgehalten, die alle zwei Jahre stattfindet.

 

Vortragsthemen der Jahrestagung in St. Gallen:

Prof. Dr. Adolf Muschg: Goethes Schweizerreise als Initiation

Dr. Margrit Wyder: Natur- und Kulturphänomene am Vierwaldstätter See - mit Goethes Augen

PD Dr. Anne Bohnenkamp-Renken: Landschaften in Goethes Faust

Prof. Dr. Hellmut Thomke: Erfahrung, Wirken und Dichten auf Reisen. Dargestellt am Beispiel der zweiten Schweizerreise Goethes im Jahr 1779.

Dr. Ulrike Längle: "Goethe war total verweichlicht". Blicke auf die Schweizer Berge von Sebastian Münster, Goethe und anderen

Prof. Dr. Hans Vaget: Werther in den Schweizer Alpen

Prof. Dr. Martin Stern: Goethe und das Hochgebirge

Prof. Dr. Pascal Griener: Drawing and Seeing. Goethe as an amateur artist

Prof. Dr. Alois Brandstetter: Notizen eines Stubenhockers über einen Landschaftsreisenden

 

Organisation und Moderation:

 Prof. Dr. Johannes Anderegg / Prof. Dr. Hans-Jürgen Schrader

Die Jahrestagung wurde ermöglicht durch die Schweizerische Akademie für Geisteswissenschaften (SAGW) und die Universität St. Gallen (HSG).

 

Referentinnen I Referenten:

Anne Bohnenkamp-Renken, PD Dr., geb. 1960. Studium der Germanistik, Philosophie und Publizistik in Göttingen und Florenz; ab 1992 Wissenschaftliche Assistentin, seit 2000 Oberassistentin am Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der LMU München. Forschungs- und Publikationsschwerpunkte: 18. Jh., Goethe, Editionsphilologie, Literarische Übersetzung. Publikationen u.a.: "...das Hauptgeschäft nicht ausser Augen lassend". Die Paralipomena zu Goethes Faust (1994); (Hg.) Goethe, Ästhetische Schriften 1824-1832. Über Kunst und Altertum V und VI (1999) in der Frankfurter Ausgabe der Werke Goethes (FA I, 2).

Alois Brandstetter, Univ.-Prof. Dr. phil. Dialektologe und Altgermanist an der Universität Klagenfurt; Habilitationsschrift über den frühnhd. Prosaroman. Seit 1970 zunehmend literarische Arbeiten, Romane und Erzählungen: Zu Lasten der Briefträger, Die Abtei, Die Mühle, Die Burg. Verschiedene Preise, 1984 Wilhelm Raabe-Preis der Stadt Braunschweig. Träger des Österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse.

Pascal Griener, Prof. Dr., né le 1.8.56 à Porrentruy, Suisse. Licence ès lettres a I'université de Neuchâtel, D. EHESS a l’Ecole des Hautes Etudes, Paris, D. Phi!. a l’université d'Oxford. Professeur d'histoire de l’art a l’université de Neuchâtel depuis 1995. Président du comité national, Comité International d'Histoire de l’Art. Conseil scientifique, Centre Allemand d'Histoire de l’Art, Paris. Publications sur la renaissance allemande (Holbein), sur la littérature artistique au XVlllème siècle (Winckelmann) et l’historiographie de l’art.

Ulrike Längle, Mag. Dr. phil., geb. 1953. Leiterin des Franz-Michael-Felder-Archivs (Vorarlberger Literaturarchiv) in Bregenz, Schriftstellerin, Kritikerin. Publikationen zu Ernst Weiß, Paula Ludwig, Johann Nestroy, Franz Michael Felder und zu österreichischer Gegenwartsliteratur. Romane und Erzählungen, z. B. Tynner (1996), Vermutungen über die Liebe in einem fremden Haus (1998), Bachs Biss (2000).

Adolf Muschg, Prof. Dr. phil., geb. 1934. Schriftsteller und em. Professor für Deutsche Sprache und Literatur an der ETHZ.

Martin Stern, Prof. Dr. phil. Em. Professor für Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Basel. Schwerpunkte: Hofmannsthal, Edition und Werkdeutung; Kultur- und Geistesgeschichte des 18. Jahrhunderts; Vormärz, Realismus, Expressionismus; Komödie 16 Jh. und Wiener Volkstheater; Schweizer Literatur 20. Jahrhundert (Expressionismus in der Schweiz, Bern 1981; Kein einig Volk, Bern 1993; Schweizertheater, Zürich 2000).

Hellmut Thomke, Prof. Dr. phil., geb. 1932 in Biel. Studium in Göttingen, München und Bern. Zunächst Gymnasiallehrer. 1969 Habilitation in Bern. Em. Ordinarius für deutsche Literatur an der Universität Bern. Publikationen zur Schwäbischen Romantik, zur expressionistischen Lyrik, zu Heine, zur Literatur des Barocks, zur Schweizer Literatur, Klassikerband Deutsche Spiele und Dramen des 15. und 16. Jahrhunderts.

Hans Vaget, Prof. Dr., geb. 1938. Lehrt nach Studium in München, Tübingen, Cardiff (Wales) und an der Columbia University, New York, seit 1967 German Studies and Comparative Literature am Smith College (Northampton, MA). Zahlreiche Veröffentlichungen zur deutschen Literatur vom 18. bis 20. Jahrhundert, besonders zu Goethe, Richard Wagner und Thomas Mann. Er ist Mitbegründer der Goethe Society of North America und ihr derzeitiger Präsident.

Margrit Wyder, Dr. phil. Studium der Germanistik und Biologie in Zürich. 1997-2000 Assistentin am Collegium Helveticum der ETH. Zurzeit als Wissenschaftshistorikerin am Medizinhistorischen Institut der Universität Zürich tätig. Publikationen: Goethes Naturmodell. Die Scala Naturae und ihre Transformationen (1998); Bis an die Sterne weit? Goethe und die Naturwissenschaften (1999); Mit Goethe zum Gotthard. Ein Reisebericht (2000).

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Jahresthema 2000: Goethe und die Musik

Veranstaltungen:

Kammerkonzert: Weimar, Goethe und die Musik

Jahrestagung mit Kelterborn-Uraufführung

 

Das Jahresthema „Goethe und die Musik“ war an zwei Veranstaltungen präsent, die beide in Bern stattfanden.

 

1. Kammermusik-Abend 

„Weimar, Goethe und die Musik“

 

Im kontrastreichen Rahmen der Antikensammlung Bern fand am 12. Mai der Konzertabend mit Vortrag zum Thema „Weimar, Goethe und die Musik“ statt. Das Rockhall-Quartett Biel eröffnete den Abend mit zwei Werken des Weimarer Hofkapellmeisters Ernst Wilhelm Wolf (1735-1792).

In seinem Vortrag zeichnete Hellmut Thomke, emeritierter Professor der Universität Bern, ein informatives und farbiges Bild des Weimarer Musiklebens. Er rekapitulierte Goethes Bemühungen um das deutsche Singspiel, schilderte seine vergeblichen Versuche, den wenig begabten Komponisten Christoph Kayser zu portieren, und erinnerte an die von Goethe veranstalteten Mozart-Aufführungen im Weimarer Hoftheater. Im Bach-Jahr besonders interessant: 1814 liess sich Goethe in Bad Berka Werke des in Thüringen nie ganz vergessenen Bach vorspielen, also noch vor der von Zelter und Mendelssohn ausgelösten Bach-Renaissance. Unter Grossherzogin Maria Pawlowna bestand auch nach Goethes Tod der Ruf des Weimarer Musenhofs weiter, mit Komponisten wie Hummel und Liszt. Am 28. August (!) 1850 fand die Uraufführung von Wagners „Lohengrin“ im Weimarer Hoftheater statt.

Nach dem Vortrag griff Referent Hellmut Thomke erneut zum Geigenbogen und setzte, zusammen mit den anderen Mitgliedern des Rockhall-Quartetts Biel, Peter Rickenbach, Edi Benz und Gerhard Thomke, in bester klassischer Laientradition den musikalischen Schlusspunkt mit Mozarts Streichquartett in G-Dur (Köchel Nr. 156) von 1773. (mw)

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2. Jahresveranstaltung 2000
der Goethe-Gesellschaft Schweiz

in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik und Theater Bern und dem Kammerensemble La Strimpellata Bern

Tagungsprogramm

Zusammenfassung der Tagung

Konzert mit Uraufführung

Konzertkritik

 »... eine Art Symbolik fürs Ohr ...«:
 
Goethe und die Musik - Goethe in der Musik

Tagungsprogramm

Samstag, 23. September 2000
Vortragssaal der Stadt- und Universitätsbibliothek Bern Münstergasse 63

09.30 Uhr
PD Dr. Henriette Herwig (Bern):
Begrüssung durch die Präsidentin der Goethe-Gesellschaft Schweiz

09.35 Uhr
Prof. Dr. Wolfgang Pross (Bern):
Kult und Macht in Mozarts Zauberflöte

10.20 Uhr
Prof. Dr. Peter Gülke (Freiburg/Br.):
Goethes Versuch mit der Tonlehre und seine Hintergründe

11.05 Uhr
Kaffeepause

11.30 Uhr
Prof. Dr. Hans Kuhn (St. Gallen/Canberra):
Goethe-Texte "gemischter Gefühlslage" und ihre Vertonungen

12.15Uhr
Mittagspause

14.00 Uhr
Prof. Dr. Anseim Gerhard (Bern):
"Goethes <herrliche Dichtungen> und Schuberts <grosse Freiheit>" -ein Spannungsverhältnis einmal anders betrachtet

14.45 Uhr
Dr. Roman Brotbeck (Bern):
Goethe vertonen im 20. Jahrhundert

15.30 Uhr
Kaffeepause

16.00 Uhr
Referenten und Rudolf Kelterborn:
Podiumsgespräch über Goethe als Anreger von Musik
und das neue Stück von Rudolf Kelterborn
Moderation: Dr. Margrit Wyder

17.30 Uhr
Schluss der Tagung
Öffentliche Veranstaltung, Eintritt frei

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Zusammenfassung der Tagung:

 

Am Samstag, den 23. September fand die Jahrestagung 2000 der GGS statt. Das ganztägige Programm zum Thema „Goethe und die Musik – Goethe in der Musik“ wurde von Radio DRS 2 und der Berner Presse gross angekündigt und fand auch ein zahlreiches Publikum.

Der Vortragssaal der Stadt- und Universitätsbibliothek Bern war Schauplatz für die fünf Referate der Tagung. Nach einführenden Worten der Präsidentin der GGS, PD Dr. Henriette Herwig, setzte Prof. Wolfgang Pross, Literaturwissenschaftler an der Universität Bern, den anregenden Auftakt. In seinem Referat „Kult und Macht in Mozarts Zauberflöte“ interpretierte er dieses populärste Werk Mozarts nicht wie üblich als Freimaurerstück, sondern als Umsetzung des damaligen ethnografischen Wissens. Sarastros Priesterstaat setzte er in Parallele zum 1765 zerstörten Jesuitenstaat in Paraguay, und Papagenos Federkleid entpuppte sich als Indiokostüm. In der aufklärerischen Universalreligion der Gestirne vertrat Sarastro die Stelle der Sonne. Goethes Versuch einer Fortsetzung der Zauberflöte musste scheitern, so der Schluss des Referenten, weil er auf dem Hintergrund seines Naturbilds mit der Herrscherfigur Sarastro nichts mehr anzufangen wusste.

Der Musikwissenschaftler, Autor und Dirigent Prof. Peter Gülke aus Freiburg i.Br. – übrigens ein Nachfahre der Familie Vulpius – sprach über „Goethes Versuch mit der Tonlehre und seine Hintergründe“. Er betonte dabei die Parallelität zur Farbenlehre. Dies betrifft sowohl das Wechselspiel von Subjekt und Objekt als auch die Tongeschlechter Dur und Moll, die Goethe als gleichwertige, polare Ausdruckskräfte sehen wollte. Goethe wehrte sich daher gegen die Überbewertung des Dur in der Musiktheorie und setzte dessen physikalisch begründeter Priorität eine psychische Priorität des Moll entgegen.

Der in St. Gallen und im australischen Canberra tätige Germanist Prof. Hans Kuhn stellte „Goethe-Texte ‚gemischter Gefühlslage’ und ihre Vertonungen“ vor. Als Beispiele dienten ihm das „Heideröslein“, „An den Mond“, „Erster Verlust“ und „Um Mitternacht“, von denen der Referent jeweils mehrere Vertonungen vorführte und kommentierte. Gerade bei diesen Texten stellte sich den Komponisten jeweils die Entscheidung zwischen Dur und Moll. Interessant waren auch die beiden sehr unterschiedlichen Vertonungen Schuberts von „An den Mond“.

Der Vortrag von Prof. Anselm Gerhard, Musikwissenschaftler an der Universität Bern, trug den Titel „Goethes ‚herrliche Dichtungen’ und Schuberts ‚grosse Freiheit’ – ein Spannungsverhältnis einmal anders betrachtet“. Der Referent vermochte es, Verständnis für Goethes oft kritisiertes Verhalten gegenüber Schubert zu wecken. Einmal war der Brief von Josef von Spaun an Goethe, mit dem dieser die Liedvertonungen seines Freundes Schubert empfahl, im Ton völlig missglückt. Dann finden sich bei Schubert lauter „Regelverstösse“ gegenüber der Liedästhetik des 18. Jahrhunderts. Goethes Forderung nach „Einfachheit“ wurde von Schubert nicht erfüllt. Das Verhältnis Goethe-Schubert wird nur begreiflich, schloss der Referent, wenn man die historischen und ästhetischen Wahrnehmungsvoraussetzungen Goethes rekonstruiert.

Dr. Roman Brotbeck, Direktor der Hochschule für Musik und Theater Bern/Biel, widmete sich in seinem Referat dem Thema „Goethe vertonen im 20. Jahrhundert“. Er wählte dazu drei Beispiele im kompositorischen Umkreis der Zwölftonmusik, einem ganzheitlichen Kompositionssystem, in dem u.a. die Hierarchie von Melodie und Begleitung zugunsten einer polyphonen Struktur überwunden wurde. Luigi Dallapiccolas Vertonung eines Gedichts aus dem „Divan“, Hanns Eislers musikalische Umsetzung von Brechts Sonett über Goethes “Gott und die Bajadere” und das von Anton Webern gestaltete volkstümliche Lied “Die Biene und das Blümelein/ Die müssen füreinander geschaffen sein“ wurden von Brotbeck analysiert. Bei allen drei Komponisten liessen sich raffinierte Bezüge zwischen Text und musikalischer Struktur nachweisen.

Die Referate der Tagung werden in den nächsten beiden Bänden des Goethe-Jahrbuchs der internationalen Goethe-Gesellschaft in Weimar abgedruckt werden.

Zum abschliessenden Podiumsgespräch unter der Moderation von Dr. Margrit Wyder trafen die Referenten des Tages mit dem Komponisten Rudolf Kelterborn zusammen, um das Tagungsthema „Goethe und die Musik – Goethe in der Musik“ noch einmal zu beleuchten. Die Frage, was die einzelnen Referenten von den anderen Vorträgen des Tages gewonnen hätten, führte zu einem fruchtbaren Austausch. Keiner der Referenten wollte sich jedoch darauf einlassen, Vermutungen über Goethes zukünftige Rolle als „Textdichter“ in der Musik des 21. Jahrhunderts zu äussern. Im zweiten Teil des Gesprächs gab Rudolf Kelterborn Auskunft über seine Textauswahl für die „Goethe-Musik“, deren Uraufführung im grossen Saal des Konservatoriums Bern am gleichen Abend bevorstand. (mw)

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Konzert

Samstag, 23. September 2000, 20.00 Uhr
Grosser Saal der Hochschule für Musik und Theater Bern

Sofia Gubaidulina
Hommage à. T
S. Eliot(1987/91)
für Sopran und Oktett auf Verse aus Four Quartets (1936-42)
von T. S. Eliot

Franz Schubert
OktettF-Ourop. post.
166(1824)
Andante (Variationensatz)

Rudolf Kelterborn
Goethe-Musik
(Uraufführung)
für Sopran und Oktett auf Texte von J. W. Goethe,
Goethes Mutter und seiner Frau Christiane

Ausführende
Ursula Füri-Bernhard,
Sopran

La Strimpellata Bern:
Christoph Ogg,
Klarinette; Philippe Bach, Horn; Ueli Binggeli, Fagott; Marianne Aeschbacher, Violine; Regula Schwaal; Violine;
Renee Straub, Viola; Oavid Innigel; Cello; Käthi Steuri, Kontrabass; Matthias Kuhn, Leitung

Unterstützt durch:
Amt für Kultur/Kanton Bern, Burgergemeinde Bern, DRS2.:Kulturclub, MIGROS Kulturprozent, Fondation Henneberger-Mercier, KulturStadt Bern, Pro Helvetia, SUISA-Stiftung

 

Konzertkritik

In Töne setzen
Faszinierende Uraufführung von Kelterborns „Goethe-Musik“

 . . . Im Podiumsgespräch bestimmte Rudolf Kelterborn seine musikalische Vorstellung als das Primäre, zu dem das Textmaterial erst später hinzukomme. Genau umgekehrt verhielt es sich bei Goethe, der seine Gedichte allerdings oft noch vor der Veröffentlichung seinen musikalischen Beratern zur Komposition schickte. Das Zusammenspiel der beiden Medien ist aber hier wie dort der Fluchtpunkt

Im Gegensatz zu den zeitgenössischen Strophenliedern greift Kel- terborns Komposition für Frauenstimme und acht Instrumente, die neben Gedichten von Goethe Ausschnitte aus Briefen seiner Mutter und seiner Frau Christiane verarbeitet, stark ins verwendete Textmaterial ein, macht es sich zu Eigen, spart aus, löst auf, verdichtet, setzt um in eine musikalisierte Gegenwelt. Bei allem Reichtum an kompositorischen Spielarten und Verfahrensweisen scheut Kelterborn jedoch auch nicht davor zurück, mit charakteristischen KIangfarben unmittelbar wirkende emotionale Reize zu setzen und mit feinen Stimmungsbildern Atmosphären einzufangen, die auf einen konkreten Erfahrungshorizont Bezug nehmen. Die profilierte in jeder Hinsicht überzeugende Interpretation der Musikerinnen und Musiker von La Strimpellata liess diese Qualitäten voll zur Geltung kommen: Die «Trödelhexe» aus der Walpurgisnacht, wunderbar charakterisiert mit knarzenden Smorzandi, erschien als völlig skurriles Wesen in einer reichlich verwunschenen Umgebung, der darauf folgende Brief «Lieber Sohn» wirkte in der unwiderstehlichen Deutung von Ursula Füri-Bernhard schon fast wieder wie aus dem Leben gegriffen.

Aus: Der Bund, 25. September 2000 (pdf)

 

An 17. Januar 2001 strahlte Radio DRS 2 ein Porträt des Ensembles La Strimpellata Bern aus und sendete anschliessend die Aufzeichnung des Konzerts vom 23. September 2000 mit der Hommage an T. S. Elliott von Sofia Gubaidulina, dem Oktett in F-Dur op. post. 166 von Franz Schubert sowie der Uraufführung der Goethe-Musik von Rudolf Kelterborn.

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Jahresthema 1999:

Goethe und die Naturwissenschaften

Im Jubiläumsjahr 1999 hielt am 13. März 1999 unser Vorstandsmitglied Prof. F. Nager im grossen Hörsaal des Kantonsspitals Luzern den Festvortrag "Goethe und die Ärzte" im Rahmen der Veranstaltung "Horizonterweiterung der Medizin", nachdem Prof. H. Herwig eine Grussbotschaft übermittelt hatte. Beide Ansprachen sind in einer medizinischen Fachzeitschrift veröffentlicht worden. 

Am 26. Juni 1999 hielt Frau Dr. M. Wyder im Rahmen der 2. Mitgliederversammlung in Zürich einen Vortrag zum Thema "Goethe - der Naturforscher". Anschliessend führte sie durch die Ausstellung "Zum Erstaunen bin ich da - Goethe, der Naturforscher" im Museum Strauhof, an deren Konzeption sie selbst mitgearbeitet hatte. 

Am 28. August 1999 wurde eine besondere literarisch-musikalische Geburtstagsfeier Ereignis. Sie begann mit einer von Prof. H. Thomke geführten Wanderung auf den Spuren Goethes im Lauterbrunnental und fand ihre Fortsetzung im Rüttihubelbad mit dem eigentlichen Geburtstagsfest unter dem Motto "Begegnung zweier Genies" (Goethe und Mozart), in dessen Mittelpunkt die Aufführung des "Concerto dramatico" durch das Kammerensemble "La Strimpellata Bern" stand. 

Die gut besuchte Jubiläumstagung vom 19. November 1999 im Kollegienhaus der Universität Basel war der "Goethe-Rezeption in kritischer Zeit. Alfred Döblin, Karl Jaspers und Thomas Mann zwischen den Jubiläen 1932 und 1949" gewidmet. Nach den Begrüssungen durch die Gastgeberin Frau Prof. G. Brandstetter und Prof. H. Herwig folgten die Vorträge von Prof. Wemer Stauffacher ( 'tGoethe dämmerte mir sehr spät". Zu Alfred Döblins Goethe-Rezeption ), Prof. Dieter Borchmeyer ( Goethe, Thomas Mann und die Idee der Politik), Prof. Walter Müller-Seidel (Der späte Goethe: Zu seiner Rezeption in der Zeit der Weimarer Republik) und Dr. Hans Saner (Was Jaspers wollte mit "Unsere Zukunft und Goethe ", 1947).

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Hinweis auf neuere Literatur von GGS-Mitgliedern:

 

Johannes Anderegg: Schreibe mir oft! Das Medium Brief von 1750 bis 1830. Mit einem Beitrag von Edith Anna Kunz, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-20813-8

Anke Bosse: «‘Meine Schatzkammer füllt sich täglich . . .‘. Die Nachlassstücke zu Goethes West-östlichem Divan. Dokumentation – Kommentar»,   2 Bde., Göttingen: Wallstein 1999, ISBN 3-89244-311-4, Fr. 263.-

Johann Wolfgang von Goethe: «Träume und Legenden meiner Jugend. Texte über die Stillen im Lande», hg. von Paul Raabe, Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2000 (Kleine Texte des Pietismus, Heft 3)
ISBN 3-374-01788-6, 236 S., ca. 13 EUR

Henriette Herwig: Das ewig Männliche zieht uns hinab: "Wilhelm Meisters Wanderjahre. Geschlechterdifferenz - Sozialer Wandel - Historische Anthropologie, A. Francke Verlag, Tübingen und Basel 1997

Peter Heusser (Hg.): «Goethes Beitrag zur Erneuerung der Naturwissenschaften», Verlag Paul Haupt, Bern / Stuttgart / Wien,  Fr. 58 (Das Buch zur gleichnamigen Ringvorlesung, die im Sommersemester1999 von der Kollegialen Instanz für Komplementärmedizin an der Universität Bern veranstaltet worden ist.) 

Adolf Muschg, Volker Harlan, Wolfgang Schad, Margrit Wyder: «Wir wandeln alle in Geheimnissen». Neue Erfahrungen mit Goethe. Vorträge der Goethe-Jubiläumstagung 1999 in Kassel, hrsg. von Ludolf von Mackensen, Georg Wenderoth Verlag, Kassel 2002, ISBN 3-87013-30-X

Frank Nager: „Der heilkundige Dichter. Goethe und die Medizin“. Neuauflage als Paperback im Februar 1999 bei Artemis (Patmos) Düsseldorf.

Gabriele Schwieder: «Goethes „West-östlicher Divan“. Eine poetologische Lektüre», 
Böhlau Verlag Köln/ Weimar 2001
ISBN 3-412-10400-0, ca. 250 S., ca. Fr. 52.-

Reinhold Sölch: „Die Evolution der Farben. Goethes Farbenlehre in neuem Licht“. Ravensburg/ Leipzig 1998.

Margrit Wyder: „Goethes Naturmodell. Die Scala Naturae und ihre Transformationen“. Böhlau Verlag Köln/ Weimar 1998.

Margrit Wyder (Hg.): «Bis an die Sterne weit? Goethe und die Naturwissenschaften», Ausgewählt von Margrit Wyder, mit einem Essay von Adolf Muschg, Insel-Verlag Frankfurt a.M. 1999, ISBN 3-458-34275-3, Fr. 19.-

 

Zum Nachlesen: Veröffentlichungen von an Jahrestagungen der Goethe-Gesellschaft Schweiz gehaltenen Vorträgen:

Anselm Gerhard: Goethes «herrliche Dichtungen» und Schuberts «grosse Freiheit». Ein Spannungsverhältnis – einmal anders betrachtet. In: Goethe-Jahrbuch 118 (2001), S. 304-314. (Der Vortrag wurde auf der Jahrestagung 2000 in Bern gehalten.)

Werner Stauffacher: Intertextualität und Rezeptionsgeschichte bei Alfred Döblin: «Goethe dämmerte mir sehr spät». In: Intertextualität, hrsg. von Henriette Herwig. Zeitschrift für Semiotik 24 (2002), Heft 2-3, S. 215-231. (Der Vortrag wurde auf der Jubiläumstagung 1999 in Basel gehalten.)  

Anne Bohnenkamp: Intertextualität als Realisation von Weltliteratur. Literarische Landschaften in Goethes Faust. In: Intertextualität, hrsg. von Henriette Herwig. Zeitschrift für Semiotik 24 (2002), Heft 2-3, S. 179-200. (Der Vortrag wurde auf der Jahrestagung 2001 in St. Gallen gehalten.)

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